Verdauungsprobleme beim Pferd — Kotwasser, Durchfall, Blähungen oder wiederkehrende Koliken — sind in vielen Fällen auf Fütterungsfehler zurückzuführen. Das empfindliche Verdauungssystem des Pferdes reagiert sehr sensibel auf Veränderungen, falsche Zusammensetzung und mangelnde Strukturierung der Mahlzeiten.
Das empfindliche Verdauungssystem des Pferdes
Das Verdauungssystem des Pferdes ist ein evolutionäres Meisterwerk — aber eines mit klaren Grenzen. Pferde sind für dauerhaftes Fressen kleiner Raufuttermengen optimiert. In der Natur verbringen sie 16–18 Stunden am Tag damit, zu grasen. Ihr Magen ist im Vergleich zur Körpergröße klein — er fasst nur 10–15 Liter — und wird kontinuierlich durchlaufen.
Das bedeutet: Werden Pferde mit großen, seltenen Kraftfuttermahlzeiten gefüttert, gerät dieses System aus dem Gleichgewicht. Unverdaute Stärke gelangt in den Dickdarm, wird dort von Bakterien fermentiert, produziert Gase und Giftstoffe — und kann im schlimmsten Fall zu Koliken führen.
Wichtig zu wissen
Im Dickdarm des Pferdes arbeiten Milliarden von Mikroorganismen — Bakterien, Pilze und Protozoen — die Rohfaser verdauen. Dieses Ökosystem (Mikrobiom) ist extrem sensibel. Plötzliche Futterumstellungen, Antibiotika oder schlechtes Futter können es aus dem Gleichgewicht bringen — mit spürbaren Folgen.
Häufige Verdauungsprobleme und ihre Auslöser
Kotwasser
Häufige Auslöser: Fruktanreiches Gras oder Heu, Stress, kaltes Trinkwasser im Winter, zu eiweißreiches Futter, gestörte Darmflora
Weicher Kot / Durchfall
Häufige Auslöser: Abrupte Futterumstellung, verdorbenes Futter, Parasiten, Infektionen, zu viel frisches Gras im Frühjahr
Blähungen und Darmgeräusche
Häufige Auslöser: Vergärbare Kohlenhydrate (Stärke, Zucker) gelangen unverdaut in den Dickdarm; zu wenig Strukturfutter (Heu), Futterumstellung
Kolik
Häufige Auslöser: Zu wenig Bewegung, zu wenig Trinken, falsche Fütterungszeiten, Zahnprobleme, Parasitenbefall, plötzliche Futterumstellung
Fütterungsfehler die Pferdebesitzer oft machen
Diese Fehler begegnen mir in der Beratung immer wieder — und sie sind meist gut gemeint:
✕ Zu wenig Heu, zu viel Kraftfutter
Kraftfutter ist kein Ersatz für Raufutter. Heu liefert die Strukturfaser, die das Pferdeverdauungssystem braucht. Mindestens 1,5 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht täglich sind Pflichtprogramm.
✕ Große Mahlzeiten mit langen Pausen
Mehr als 4–6 Stunden ohne Raufutter sind für den Pferdedarm problematisch. Der Magen produziert kontinuierlich Säure — ohne Futter greift sie die Magenschleimhaut an (Magengeschwüre).
✕ Abrupte Futterumstellungen
Das Darmmikrobiom braucht Zeit, sich anzupassen. Jede Futterumstellung sollte über mindestens 2 Wochen schrittweise erfolgen — auch beim Wechsel von Sommer- auf Winterfütterung.
✕ Kraftfutter direkt vor dem Sport
Mindestens eine Stunde Pause zwischen letzter Kraftfuttermahlzeit und körperlicher Belastung ist Pflicht. Der volle Magen drückt auf das Zwerchfell und erschwert die Atmung.
✕ Freier Zugang zu üppiger Frühjahrsweide
Das fruktanreiche Frühjahrsgras ist für viele Pferde eine echte Gefahr — besonders für Stoffwechselpatienten (EMS, Hufrehe-gefährdete Tiere). Stufenweise Eingewöhnung ist unverzichtbar.
Fütterungsplan für eine gesunde Verdauung
Diese Grundprinzipien gelten für die Mehrheit aller Pferde — unabhängig von Rasse, Alter und Einsatz:
Raufutter als Basis
Mindestens 1,5–2 % des Körpergewichts täglich als Heu (oder Haylage). Heu sollte immer verfügbar oder in kurzen Abständen gefüttert werden — Heunetz mit engem Geflecht verlangsamt die Aufnahme.
Kraftfutter in kleinen Portionen
Maximal 2 kg Kraftfutter (Stärke) pro Mahlzeit. Mehrere kleine Mahlzeiten sind besser als zwei große. Immer zuerst Heu, dann Kraftfutter.
Mineralfutter bedarfsgerecht
Das passende Mineralfutter ergänzt, was Heu und Grundfutter nicht liefern. Die Dosierung muss auf die Grundration abgestimmt sein.
Futterumstellungen langsam
Jede Änderung in der Fütterung — neue Heucharge, neues Kraftfutter, Weidebeginn — braucht mindestens zwei Wochen schrittweiser Eingewöhnung.
Tierarzt bei anhaltenden Problemen
Wiederkehrende Koliken, Kotwasser über Wochen oder starker Gewichtsverlust gehören immer tierärztlich abgeklärt. Ernährungsoptimierung ergänzt — ersetzt aber nicht — die medizinische Diagnose.
„Verdauungsprobleme beim Pferd sind fast immer lösbar — wenn man die Ursache kennt. Und in den meisten Fällen liegt sie in der Fütterung. Das ist gute Nachricht: Es bedeutet, man kann etwas tun."
— Andreas Nootz
Wenn Sie sich unsicher sind, was bei Ihrem Pferd die Ursache für Verdauungsprobleme ist, helfe ich Ihnen gerne. Im Rahmen einer kostenlosen Futterberatung schauen wir uns Ihre aktuelle Fütterungssituation an und erarbeiten einen Plan — abgestimmt auf Ihr Pferd, Ihren Stall und Ihre Möglichkeiten. Sie können mich auch über die Kontaktseite direkt ansprechen.
Häufige Fragen
Was ist Kotwasser beim Pferd und wie entsteht es?
Wie oft und wie viel sollte ein Pferd täglich fressen?
Kann schlechtes Heu Verdauungsprobleme verursachen?
Helfen Probiotika bei Verdauungsproblemen beim Pferd?
Fragen zur Verdauung Ihres Pferdes?
Ich helfe Ihnen gerne — kostenlos und persönlich. Gemeinsam finden wir heraus, was Ihrem Pferd nicht bekommt.
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